3 Jahre Schweiz Q&A

3 Jahre Schweiz Q&A

Wow, sind es wirklich bereits drei Jahre, seitdem wir in Deutschland unsere Sachen gepackt und in die Schweiz ausgewandert sind?
Offensichtlich ja schon. In Instagram haben wir nach euren Fragen zur Schweiz und zum Auswandern gebeten um diese zu einem Blogbeitrag zusammenzufassen. Hier sind sie also, die meistgestellten Fragen zu unserem Leben im schönen Nachbarland.

Warum seid ihr in die Schweiz gezogen?

Wir starten gleich mal mit der meist gestellten Frage. Nicht nur auf Instagram, sondern auch in unserem privaten Umfeld. Wieso eigentlich in die Schweiz? 2016 hat Alex öfters darüber gescherzt, dass wir doch in die Schweiz ziehen sollten. Er hatte gerade seinen Motorradführerschein gemacht und die Alpenpässe in der Schweiz sollen so traumhaft sein. Ausserdem könnte er dort doch super Snowboarden. Für Claudia war die Vorstellung ins Ausland zu gehen absolut unrealistisch und beängstigend. Ausserdem war es auch von Alex erstmal nur im Scherz gemeint, auch wenn dieser „Scherz“ danach noch ab und zu auftauchte. 2017 war für uns beide ein sehr schweres Jahr – das schwerste das wir bisher hatten. Mitte des Jahres haben wir uns dann doch dazu entschieden. Claudia hatte in ihrem Meister Kurs eine Deutsche kennengelernt, die in der Schweiz lebt und arbeitet. Der unterdurchschnittlich bezahlte Job wird in der Schweiz ganz gut bezahlt, die arbeitsbezogene Bürokratie ist deutlich vereinfacht und insgesamt scheint der Job dort viel mehr herzugeben. Falls ihr euch Fragt was das für ein Job ist: Wir sind beider gelernte Hörsystemakustiker.
Aus dem Gedanken, niemals aus Nürnberg fortgehen zu wollen, wurde dann also recht schnell der Entschluss gefasst: Wir probieren es einfach mal mit der Schweiz! Abgesehen davon, dass der Job hoffentlich besser ist, Hobbys mehr und besser ausgeübt werden können und unzählige Naherholungsgebiete haben uns dann überzeugt, den Schritt zu wagen.
Eine einzige Bewerbung und das darauffolgende Telefonat später waren wir beide bereits bei einem Bewerbungsgespräch und hatten ziemlich schnell den Vertrag in der Tasche. Übrigens war der Job in der Schweiz tatsächlich angenehmer.

Wessen Idee war es in die Schweiz zu ziehen und hättet ihr es auch jeweils alleine gemacht? 

Der erste Teil wird ja bereits in der ersten Frage beantwortet. Die Idee und auch der Wunsch kam von Alex. Ob wir auch in die Schweiz gegangen wären, wenn wir Singles wären? Das können wir nicht beantworten. Claudia wahrscheinlich nicht, denn sie ist generell erst so offen und abenteuerlustig, seitdem sie mit Alex zusammen ist. Ob Alex alleine gegangen wäre? Das steht wohl in den Sternen. Fest steht, dass wir in der Beziehung auch getrennt von einander Ausgewandert wären, wenn der andere recht bald danach mitgezogen wäre. Eine langfristige Fernbeziehung kommt für uns beide nicht in Frage, wenn es nicht sein muss.

Wie lange habt ihr die Auswanderung geplant und wie seid ihr vorgegangen?

Tatsächlich war die Zeitspanne von Beschluss zum eigentlichen Auswandern nur etwa drei Monate. Etwa im Juni oder Juli 2017 haben wir beschlossen es zu versuchen, im August und September waren unsere Bewerbungsgespräche und die Wohnungsbesichtigung. Ende September ist Alex schon in die Schweiz gezogen und Claudia ist Mitte November hinterher, da es berufstechnisch nicht früher ging.
Wir haben uns also erst einmal Beworben. Bei uns beiden hat direkt die erste Bewerbung geklappt und nur ein paar Tage später wurden wir zum Bewerbungsgespräch und Probearbeiten in die Schweiz eingeladen. Wir haben übers Internet nach Wohnungen gesucht und eine Besichtigung an dem gleichen Tag gelegt, an dem wir Probearbeiten waren. Tatsächlich hat es mit dieser Wohnung und den jeweiligen Jobs direkt geklappt. Sowohl Arbeitsvertrag und Mietvertrag waren schnell in der Tasche. Über Versicherungen, Krankenkasse etc. haben wir uns zwar im Vorfeld dann noch informiert, aber erst vor Ort entschieden. Da es von unserem Arbeitgeber eine Art „Welcome“ Package gab, haben wir auch erst einmal die Versicherung und Bank gewählt, welche durch den Arbeitgeber bessere Konditionen hatten.

Wollt ihr für immer dort leben oder irgendwann wieder zurück?
Für immer lässt sich schlecht planen. Wir sind uns ziemlich sicher, dass wir nicht für immer in der Schweiz bleiben. Nach Deutschland möchten wir aber auch nicht unbedingt zurück. Wird sich zeigen, wo wir in ein paar Jahren leben werden.
Ist das Einkommen in der Schweiz höher?
  • Ja, das Einkommen in der Schweiz ist deutlich höher. Die Lebenshaltungskosten sind es aber auch. Vor allem Miete und Auswärts Essen gehen (besonders Fleisch) sind hochpreisig. Aber mit einem Schweizer Gehalt lässt es sich dennoch gut leben. Es gibt aber natürlich je nach Berufszweig grosse Unterschiede im Einkommen – wie in Deutschland auch. Unterm Strich bleibt uns am Monatsende aber mehr Geld übrig als in unserem Heimatland.
    Spartipps zu eurer Reise in die Schweiz gibt es übrigens hier.
Schmeckt die Schokolade in der Schweiz wirklich besser als in Deutschland?

Definitiv. Obwohl es natürlich Schweizer Schokolade auch in Deutschland zu kaufen gibt. Wir haben sogar schon Läderach Geschäfte in Deutschland entdeckt. Aber nicht nur die Schweizer Schokolade sonder auch der Schweizer Käse hat es uns sehr angetan.

Sind Schweizer nett?

Ehrlich gesagt haben wir Schwierigkeiten diese Frage zu beantworten. Wir finden die Schweizer höflich – aber nicht herzlich.
Das soll keine Verallgemeinerung sein, denn eine Schweizer Freundin ist eine der herzlichsten Menschen die ich kenne. Dennoch ist das für uns eher die Ausnahme, als die Regel. Wir spüren oft eine kühle Distanz und das engerer Kontakt einfach nicht so gewünscht ist. Wir kommen sogar auf Reisen schneller in Kontakt mit Einheimischen und in Deutschland hatten wir auch keine Schwierigkeiten. Wenn Schweizer ihren festen Freundeskreis haben, haben sie oft kein Interesse diesen zu erweitern. Grundsätzlich haben wir den Eindruck, dass Schweizer nicht sehr offen sind für Neues. 
Claudia hat zwei Jahre lang mit älteren Leuten zu tun gehabt und auch hier Feindseligkeiten gespürt, einfach aufgrund der Nationalität. Das ist aber auch regional abhängig. Seit dem wir in der Nähe von Zürich wohnen und in einem internationalen Unternehmen arbeiten hat sich das auch geändert.

Findet man in der Schweiz schnell Anschluss? Wie habt ihr dort Anschluss gefunden?
Puh… wie man sich nach der vorherigen Frage denken kann, findet man tatsächlich nicht sehr schnell Anschluss. Zumindest nicht mit Schweizern. Unser Freundeskreis besteht aus anderen Zuwanderern aus Deutschland, Australien, Griechenland, Frankreich, … und tatsächlich nur eine Schweizer Person. Also würde ich sagen, wir haben bisher noch nicht wirklich Anschluss gefunden – zumindest wenn man es auf die Schweizer bezieht. Generell Anschluss findet man natürlich schnell in der Arbeit oder über Vereine. Es gibt in der Schweiz wirklich viele Vereine und wenn man in ein oder zwei aktiv ist, kommt man sehr schnell mit anderen Leuten in Kontakt.
Was ist euer absoluter Lieblingsort, den ihr in den letzten 3 Jahren in der Schweiz entdeckt habt?
Das ist eine so wahnsinnig schwere Frage! Es gibt einfach unzählig schöne Orte. Was wir definitiv sagen können ist, dass unserer Meinung nach die schönsten Kantone das Berner Oberland, Wallis, Tessin, Graubünden und Appenzell sind.
Und der absolut schönste Ort? Vermutlich der Schweizer Nationalpark. Der schönste See bisher der Gelmersee und die schönste Ortschaft Zermatt mit dem Matterhorn.
Habt ihr oft Heimweh?

Gerade im ersten Jahr hat Claudia ziemlich stark Heimweh bekommen. Das lag aber auch daran, dass wir im ersten Jahr unsere Familien nur zwei Mal gesehen haben, was schon wenig ist. Mittlerweile haben wir kein Heimweh mehr. Natürlich vermissen wir unsere Familien, aber wir sind in 5-6 Stunden mit dem Auto in die Heimat gefahren und Videochat sei Dank, kann man akuten „Familien-weh“ schnell stillen.

 

 

So, das war es mit unserem 3 Jahres Q&A. Wir hoffen wir konnten euch eine guten Einblick aus unserem Leben in der Schweiz geben. Wenn ihr noch Fragen habt, schreibt sie gerne in die Kommentare und wir werden sie dort beantworten. Auf in das vierte Jahr in diesem schönen Land!

CH Auswandern: Alles zum Autofahren in der Schweiz

CH Auswandern: Alles zum Autofahren in der Schweiz

Wie ist das eigentlich mit dem Autofahren in der Schweiz? 
Viele möchten beim Auswandern ihr eigenes Auto aus Deutschland in die Schweiz mitbringen, dabei gibt es aber einiges zu beachten.

Was das ist, haben wir euch kurz zusammengefasst,

Achtung: Unser Blogbeitrag ist nicht Allgemein Gültig! Gesetze und Regelungen können sich jederzeit ändern. 

Wir sind stets bemüht den Eintrag aktuell zu halten. Eine Nachfrage in der jeweiligen Gemeinde wird dennoch empfohlen!

ALLGEMEINE HINWEISE ZUM AUTOFAHREN IN DER SCHWEIZ

Die Geschwindigkeitsbegrenzungen in der Schweiz lauten wie folgt:

Autobahn: 120 km/h

Ausserorts: 80 km/h

Innerorts: 50 oder 60 km/h je nach Ausschilderung

Wohnquartiere: 30 km/h

Auf den Schweizer Autobahnen gilt eine Vignetten Pflicht. Sie kostet 40,- CHF für ein Kalenderjahr und ist bis ende Januar des Folgejahres gültig. Kaufen könnt ihr die Vignette am Zoll, an den Tankstellen oder auf der Post.
Update 2021: Aus eigener Erfahrung können wir berichten, dass die Busse für die fehlende Vignette 200,- CHF kostet – bitte nicht nachmachen!

AUTOEINFUHR IN DIE SCHWEIZ

Das eigene Auto gilt als Umzugsgut und muss zwingend unaufgefordert beim Zoll mit angemeldet werden. Dabei gilt:

AUTO IST SEIT MINDESTENS 6 MONATEN IN EUREM BESITZ (VOR DEM UMZUG IN DIE SCHWEIZ)

Für die Verzollung des Umzugsgutes müsst ihr 
eine Liste ausfüllen mit 
euren persönlichen Gegenständen. 
Das Auto kann einfach mit 
aufgeführt werden (mit Kennzeichen).

Es müssen in diesem Fall keine Einfuhr- oder 
Mehrwertsteuer bezahlt werden, 
vorausgesetzt das Auto wird in den ersten 
12 Monaten in der 
Schweiz nicht verkauft.

Für die Einfuhr werden folgende Dokumente benötigt:

1. Fahrzeugausweis 
2. Antrag „Zollbehandlung von Übersiedlungsgut (Formular 18.44)
3. Amtlicher Ausweis
4. Kaufvertrag oder Rechnung
5. Nachweis über eure Tätigkeit in der Schweiz 
(Aufenthaltsbewilligung oder Arbeitsvertrag)

Die Frist zur Zulassung beträgt 12 Monate.

 

AUTO IST WENIGER ALS 6 MONATE IN EUREM BESITZ (VOR DEM UMZUG IN DIE SCHWEIZ)

Wenn das Auto nicht älter als 6 Monate ist, wird es als Neuwagen
behandelt und darf nicht als Umzugsgut behandelt werden!

Hier muss dann die Einfuhr Steuer bezahlt werden:

1. Zollgebühren bei Fahrzeugen mit einer Herkunft ausserhalb der EU bzw. ohne EU-Übereinstimmungerklärung
2. Verbraucherabgabe von 4 %
3. Mehrwertsteuer von 7.6 %
4. Steuern

Für diese Variante der Einfuhr
werden folgende Dokumente benötigt:

1. Fahrzeugausweis
2. Antrag „Zollbehandlung von Übersiedlungsgut (Formular 18.44)
3. Amtlicher Ausweis
4. Kaufvertrag oder Rechnung
5. Nachweis über eure Tätigkeit in der Schweiz
(Aufenthaltsbewilligung oder Arbeitsvertrag)
6. EU-Übereinstimmungserklärug
7. Lieferantenerklärung
8. Zollformulare

Die Frist zur Zulassung beträgt einen Monat

 

AUTO UMMELDEN

Je nach Einfuhr in die Schweiz, hat man einen Monat oder ein Jahr Zeit das Auto umzumelden. In der Zeit, in der das Auto noch nicht umgemeldet ist, darf auch noch mit dem deutschen Führerschein und Kennzeichen durch die Gegend gefahren werden. Wichtig ist auch, dass eure deutsche Versicherung noch in der Schweiz gültig ist.

Wenn ihr nun das Auto ummeldet, müsst ihr euch an das Strassenverkehrsamt eures Wohnsitzkantons melden. Dort stellt man einen Antrag zur Ummeldung. Gleichzeitig lasst ihr das Auto bei einer Versicherung eurer Wahl Haftpflichtversichern. Ggf. muss eine Abgaswartung durchgeführt werden (wir haben dies nicht benötigt).

Ihr bekommt einen Termin, bei dem das Strassenverkehrsamt eine Prüfung des Autos vernimmt (je nach Kanton können diese wirklich sehr genau sein!).

Das Auto sollte deshalb im Idealfall vorab noch einmal von einer Garage (Schweizer Werkstatt) technisch überprüft werden. Es gibt einige Garagen, welche den Termin beim Strassenverkehrsamt auch gegen eine Gebühr für euch übernehmen. Wenn das Auto dann noch schön geputzt ist, sollte es keine Probleme geben.

Dokumente die hierfür benötigt werden:

  • Prüfbericht (Vom Zoll oder einer Garage)
  • Bestätigung einer Haftpflichtversicherung
  • CH-Abgasheft (Erhältlich bei einer Garage)
  • Nachweis einer ausländischen Zulassung
  • Bestätigung der Verzollung
  • Technische Gegebenheiten des Fahrzeugs wie zum Beispiel das Service Heft
  • Aufenthaltsbewilligung
  • Bescheinigung der Einhaltung europäischer Normen oder ggf. EU-Übereinstimmungserklärung oder Lieferantenerklärung

Solltet ihr übrigens vergessen euch umzumelden, gibt es zwei Monate vor Ablauf der einjährigen Frist einen Brief vom Strassenverkehrsamt, da diese vom Zoll informiert wurden, dass noch etwas umgemeldet werden muss.

Es klingt alles recht kompliziert, bei den Ämtern sind aber alle sehr freundlich und bemüht zu helfen. Wir sind erstmal mit den Unterlagen hin, welche wir hatten und haben dann vor Ort besprochen was noch genau benötigt wird. Alles ganz easy!

DER FÜHRERSCHEIN

Der deutsche Führerschein ist 12 Monate in der Schweiz gültig. In dieser Zeit muss ein Schweizer Führerausweis besorgt werden. Falls man das nicht macht, ist das mit Fahren ohne Führerschein gleichgestellt. Ausserdem muss dann die Schweizer Führerscheinprüfung wiederholt werden! Ganz ehrlich, wer hat schon Lust auf eine erneute Prüfung?

Der Führerschein kann beim Strassenverkehrsamt des Wohnsitzkantons beantragt werden. Dies geht ganz bequem, wenn man sowieso wegen seinem Auto dort ist. Euren deutschen Führerschein dürft ihr übrigens nicht behalten, dieser wird dann nach Deutschland geschickt. 

Folgende Dokumente werden dafür benötigt:

  • Führerscheinantrag
  • Aufenthaltsbewilligung
  • Gültiges Reisedokument (Personalausweis oder Reisepass)
  • 2 neue Passfotos
  • Augenärztliches Attest (es ist auch möglich bei einem zertifizierten Optiker diesen Test durchführen zu lassen)
  • euren original deutschen Führerschein

Das umtauschen des Führerscheins kostet je nach Kanton zwischen 80,- und 140,- CHF.

DIE AUTOVERSICHERUNG

Für die Zulassung in der Schweiz wird, wie bereits geschrieben, ein Versicherungsnachweis benötigt. Es gibt verschiedene Deckungsmöglichkeiten:

  • Haftpflicht (diese ist obligatorisch!)
  • Teilkasko (freiwillig)
  • Kollision oder Vollkasko (freiwillig)
  • Verkehrsrechtschutz (freiwillig)

Wichtig zu wissen: Die Haftpflichtversicherung versichert nur das Fahrzeug und nicht den Insassen. Es ist also egal, wer das Auto fährt, die Schäden sind immer gedeckt.

Wie ihr euch versichern wollt oder solltet, müsst ihr selbst entscheiden. Die Versicherungsprämien sind sehr unterschiedlich und Vergleiche sind hier empfehlenswert.
Eine gute Seite dafür wäre www.comparis.ch/ 

CH Auswandern: Allgemeine Tipps

CH Auswandern: Allgemeine Tipps

Wie geht das eigentlich mit dem Auswandern so? Was alles in der Heimat gekündigt werden muss, haben wir bereits geschrieben.
Hier soll es also nun darum gehen, wie man in der Schweiz startet und was nicht vergessen werden sollte!

Achtung: Unser Blogbeitrag ist nicht Allgemein Gültig! Gesetze und Regelungen können sich jederzeit ändern.
Wir sind stets bemüht den Eintrag aktuell zu halten. Eine Nachfrage in der jeweiligen Gemeinde wird dennoch empfohlen!

DIE WOHNUNGSSUCHE

Nachdem ihr eine Arbeitsstelle in der Schweiz sicher gefunden habt, solltet ihr euch sofort nach Wohnungen umsehen. Die Mietpreise schrecken anfangs extrem ab und variieren sehr stark nach Kanton, Größe und Lage. Lasst euch nicht unterkriegen, Mietpreise zwischen 1.500,- und 2.000,- CHF sind normal für einen zwei Personen Haushalt. Der Wohnstandard ist dafür in der Schweiz auch viel höher, so sind eigentlich immer Einbauküchen und auch Waschmaschinen vorhanden. Ihr solltet darauf Achten, ob beim Mietpreis die Nebenkosten enthalten sind oder nicht. Heizkosten sind übrigens niemals im Preis enthalten, sondern müssen immer separat beglichen werden. Wir hatten unfassbar viel Glück mit der Wohnungssuche. Die erste Wohnung die wir uns angesehen haben, haben wir auch direkt bekommen. Es ist natürlich recht anstrengend für die Besichtigungen immer den weiten Weg auf sich zu nehmen. Eventuell ist es möglich kurzfristig bei Bekannten oder in einer Ferienwohnung wohnen.

Gute Seiten für die Wohnungssuche sind:

www.homegate.ch

www.immoscout24.ch

Ansonsten könnt ihr euch direkt an die Gemeinde wenden, wenn ihr bereits wisst, wohin ihr ziehen möchtet. Oft haben diese Listen mit leerstehenden Wohnungen und können noch einmal anders nachhelfen als das Internet.

DER ZOLL

Alle Gegenstände, welche sich im Umzugswagen befinden, müssen auf einer Liste aufgeführt sein.

Damit das ganze abgabenfrei durchgewinkt wird, dürfen die Sachen nicht neuer als sechs Monate sein. Wie so etwas kontrolliert werden soll, ist mir schleierhaft. Ein Buch, das ich vor zwei Wochen gekauft habe, lässt sich ja nicht von einem einjährigen Buch unterscheiden. Wichtiger wird es dann beim Auto. Hier gibt es dann aber einen extra Blog Beitrag dazu.
Die Liste mit allen aufgeführten Gegenständen (übrigens nur grob auflisten, sowas wie „200 Bücher“ und nicht jedes einzelne aufschreiben) gebt ihr dann beim Zoll ab. Ihr bekommt dann einen Stempel und könnt durchfahren.
Achtet auf das Gewicht eures Umzugsautos, das wird nämlich gewogen. Dank meiner großen Büchersammlung war das Auto zu schwer und wir mussten eine Strafe bezahlen.

Die Zollämter haben übrigens extra Öffnungszeiten für die Abfertigung von Umzugsgut, diese müssen vor dem Umzug zwingend nachgeschaut werden, denn Samstagnachmittag oder sonntags hat meines Wissens nach kein Grenzübergang geöffnet.

DIE AUFENTHALTSBEWILLIGUNG

Ohne Aufenthaltsbewilligung geht in der Schweiz überhaupt nichts. Jeder, der in der Schweiz leben und arbeiten möchte, benötigt eine gültige Aufenthaltsbewilligung. Solltet ihr einen unterschriebenen Arbeitsvertrag haben, ist es kein Problem eine zu erhalten.

Die Art der Bewilligung richtet sich nach der Dauer des Arbeitsvertrages.

Folgende Bewilligungen sind für den Start möglich:

Bewilligung L – die Kurzaufenthaltsbewilligung EG/EFTA: 

Diese wird für eine befristete Zeit ausgestellt (maximal 1 Jahr). Wenn der Arbeitsvertrag verlängert wird, kann die L-Bewilligung in eine B-Bewilligung umgewandelt werden (oder G-Bewilligung bei Grenzgängern). Es gibt hier keinerlei Einschränkungen.

Bewilligung B – Aufenthaltsbewilligung EG/EFTA:

Wenn ihr über einen Arbeitsvertrag verfügt, der länger als ein Jahr geht oder unbefristet ist, wird die B-Bewilligung ausgestellt. Diese ist fünf Jahre gültig. Wenn die fünf Jahre abgelaufen sind, kann eine neue B-Bewilligung beantragt werden, oder gleich die C-Bewilligung (unbefristeter Aufenthalt) beantragt werden.

Es sollte keine Probleme beim Ausstellen der B-Bewilligung geben, es kann jedoch sein, dass bei Kontigentmangel die Behörden trotzdem nur eine L-Bewilligung ausstellen und diese dann verlängert werden muss.

Wir selbst haben eine B-Bewilligung.

Bewilligung G – Grenzgängerbewilligung:

Falls man an der Grenze zur Schweiz noch in Deutschland (oder auch Österreich, Frankreich, Italien) wohnt, aber in der Schweiz arbeiten möchte, wird eine G-Bewilligung ausgestellt. Entscheidend ist hier auch die Dauer des Arbeitsvertrages. Die Bedingung ist allerdings, dass man mindestens einmal pro Woche an den ausländischen (also deutschen / österreichischen / etc) Wohnsitz zurückkehrt.

Die Kosten für die erste Aufenthaltsbewilligung beträgt ca. 65,- CHF. Wenn euch euer neuer Arbeitgeber dringend haben will, übernimmt er die Kosten manchmal auch.

DAS EINWOHNERMELDEAMT

Wenn ihr über den Zoll und somit über die Grenze seid, habt ihr acht Tage zeit euch beim Einwohnermeldeamt anzumelden. Es ist sehr wichtig, dass dies vor dem ersten Arbeitstag passiert. Schaut also, dass ihr zwischen alter Arbeitsstelle in D noch ein paar Tage Zeit habt für die neue Arbeitsstelle in CH. Ich hatte eineinhalb Wochen und diese habe ich auch wirklich gebraucht, um die Wohnung einzurichten, Papierkram zu erledigen und überhaupt um einfach mal anzukommen.

Für das Anmelden benötigt ihr folgende Dokumente:

  • Gültige Identifikation (Personalausweis oder Reisepass)
  • 1 Passfoto
  • Euren Arbeitsvertrag
  • eventuell die Aufenthaltsbewilligung bzw. Zusicherung auf diese
  • je nach Kanton eine Bestätigung eurer Schweizer Krankenversicherung
  • Bei Familiennachzug wird noch eine Eheurkunde oder Geburtsurkunde verlangt)

Ich selbst habe mich als „Familiennachzug“ angemeldet, da das unkomplizierter war, obwohl ich bereits einen Arbeitsvertrag hatte.

DIE QUELLENSTEUER

Inhaber einer L-,B-, oder G-Bewilligung sind Quellensteuer pflichtig. Das bedeutet, dass wie in Deutschland, die Steuern vom Lohn abgezogen und vom Arbeitgeber an die Steuerverwaltung überwiesen werden. Die Steuersätze richten sich in der Höhe nach dem Wohnsitzkanton sowie dem Zivilstand. Im Kanton Zug zum Beispiel werden deutlich weniger Steuern erhoben als im Kanton St. Gallen.

Dafür sind die Mietpreise in Zug deutlich höher.

DIE KRANKENVERSICHERUNG

Jeder, der in der Schweiz lebt, benötigt obligatorisch eine Krankenversicherung. Die Grundversicherung deckt grundlegende Gesundheitsleistungen ab. Es gibt noch optional Zusatzversicherungen wie in Deutschland auch. Die Krankenkassen könnt ihr euch wie die privaten Krankenkassen in Deutschland vorstellen.

Die monatlichen Prämien müssen selbst bezahlt werden, diese werden nicht vom Gehalt abgezogen.

Die Leistungen der Grundversicherung sind bei den Krankenkassen überall gleich, da dies durch das KVG (Krankenversicherungsgesetz) festgelegt wurde. Leistungen unterscheiden sich primär in den Zusatzleistungen.

Die Kasse zahlt übrigens nur dann, wenn die Leistung im Wohnsitzkanton erbracht wurde. Wenn ihr also im Kanton Zug lebt, könnt ihr nicht in Zürich zum Arzt gehen.

Ausnahmen sind nur medizinische Notfälle.
Zahnbehandlungen sind im übrigens nicht in der Grundversicherung gedeckt. Ihr solltet überlegen euren deutschen Arzt zu behalten.

Das Franchise:

Nur, weil man in der Schweiz Krankenversichert ist, heißt das nicht, dass nie kosten für eine Behandlung aufkommen. Im Gegenteil, bis jetzt haben wir jede Behandlung selbst bezahlt außer zwei Impfungen. Das liegt am sogenannten Franchise.
Das Franchise ist ein selbst gewählter Betrag, der bei Behandlungen selbst bezahlt werden muss. Erst wenn das Limit des Franchise voll ist, übernimmt die Krankenkasse die Kosten zu 90 %. Der Selbstbehalt von 10 % bleibt immer. Die Höhe des Franchise beeinflusst auch die Höhe der Versicherungsprämie (der Versicherungsbetrag, der im Monat bezahlt werden muss). Wenn man ein recht hohes Franchise hat, sind die monatlichen Kosten für die Krankenkasse dafür sehr gering und anders herum.
Wir haben das höchste Franchise gewählt, da wir seltener Krank sind und dafür jeden Monat weniger zahlen müssen. Jedes Jahr kann das Franchise angepasst werden und umso älter man ist, umso geringer sollte das Franchise ausfallen. Natürlich auch dann, wenn man jemand dazu neigt oft Krank zu sein oder anderweitige Probleme hat.

Der maximale Selbstbehalt beträgt für einen Erwachsenen übrigens 700,- CHF und für Kinder maximal 200,- bis 300,- CHF.

Während der Mutterschaft werden übrigens keine Franchise und kein Selbstbehalt erhoben.

Für die Krankenkasse hat man drei Monate nach Anmeldung im Einwohnermeldeamt Zeit sich zu versichern. Diese gilt dann rückwirkend seit dem Tag, an dem man angemeldet ist. Die Prämie muss dann selbstverständlich auch rückwirkend bezahlt werden.

SOZIAL- UND VORSORGEVERSICHERUNGEN

Das System der Schweizer Altersvorsorge funktioniert mit einem 3-Säulen Prinzip:

  1. Säule:Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) und die Invalidenversicherung (IV). Diese Versicherungen sind für alle, die in der Schweiz leben oder arbeiten obligatorisch.
  2. Säule:Die berufliche Vorsorge (BFG) ergänzt die AHV und IV. Sie sichert die Fortsetzung des Lebensstandards im Alter. Alle Arbeitnehmer, welche bei der AHV versichert sind und ein Mindesteinkommen haben, sind beitragspflichtig.
  3. Säule:Die individuelle Vorsorge. Zu den ersten zwei Säulen sollte man noch eine eigene Vorsorge machen. Es ist freiwillig aber empfehlenswert. Gerade als Einwanderer, bekommt man nicht so viel Rente wie Schweizer, die ihr ganzes Leben in der Schweiz gearbeitet  haben. Der Staat fördert das Sparen auf die dritte Säule zusätzlich.

Unfallversicherung (Berufsunfall sowie Nichtberufsunfall):

In der Schweiz ist man in der Regel durch den Arbeitgeber Unfallversichert. Wenn man zu 100 % angestellt ist, wird auch die Nichtberufsunfall Versicherung vom Arbeitgeber gedeckt. Wenn ein Unfall auf Reisen passiert, ist man trotzdem versichert. Teilzeitarbeitende, müssen die Versicherung für Nichtberufsunfälle selbst tragen.

Arbeitslosenversicherung:

Ja auch hier gibt es eine Arbeitslosenversicherung, zu der man Beitragsverpflichtet ist. Zu beachten gilt: Wer als ausländischer Arbeitnehmer mit Wohnsitz in der Schweiz arbeitslos wird, hat sechs Monate Zeit sich eine neue Arbeitsstelle zu suchen. Sollte keine neue Stelle gefunden werden, darf man nicht in der Schweiz bleiben.

Familienzulagen (Kindergeldkasse):

Pauschale Leistungen zum Ausgleich der Kosten, welche durch Kinder verursacht werden. Diese Beiträge werden vom Arbeitgeber gezahlt.

TELEKOMMUNIKATION

Natürlich möchte jeder in der Schweiz gerne Internet haben und telefonieren können. Es gibt in der Schweiz drei große Anbieter: Swisscom, Salt und Sunrise.

Je nachdem auf was Wert gelegt wird, können Preise verglichen werden. Voraussetzung ist ein fester Wohnsitz in der Schweiz. Die Vorlage des Mietvertrages oder der Aufenthaltsbewilligung sind dafür ausreichend.

Was wir am Schweizer Netz lieben: Es wird unlimitiertes Internet innerhalb der Schweiz angeboten, was wir sehr gerne nutzen.

Keine Probleme mehr mit mobilen Daten!

Das sollte grob alles abdecken, was in den ersten Tagen wichtig werden kann oder man vorab wissen sollte, wenn die Schweiz als Auswanderungsland interessant sein sollte.

1 Jahr Schweiz

1 Jahr Schweiz

Um diese Zeit vor einem Jahr saß ich am Esstisch und habe aus dem Fenster geblickt. Es mussten noch einige Kisten ausgepackt werden, aber ich konnte meinen Blick nicht abwenden. Aus unserer neuen Wohnung war der Ägerisee mit einer Berglandschaft dahinter zu sehen .
Ich konnte es noch gar nicht so richtig fassen, aber ja: Wir leben jetzt in der Schweiz!
In mir hatte sich ein riesen Gefühlschaos breit gemacht.
„Was ist, wenn ich die Schweizer nicht verstehe?“
„Dafür ist die Landschaft so wunderschön, wir müssen jedes Wochenende die Schweiz erkunden!“

„Was, wenn die Schweizer mich hassen? Ich bin ja jetzt ein Ausländer.“
„Dafür bin ich jetzt im Land der Schokolade!“

„Was, wenn ich sofort wieder nachhause möchte? Ob mich mein alter Arbeitgeber zurücknimmt?“
„Es wird schon alles gut werden!“
Wie ein Ping Pong schlugen meine Gedanken von Positiv ins Negativ. Heute muss ich ein wenig schmunzeln, aber Panik ist am Anfang ganz normal.
Ein Jahr Schweiz – mein Resümee.

HÜRDE NUMMER 1: SCHWYZERDÜTSCH

Auch, wen es viele nicht nachvollziehen konnten: Vor Schweizerdeutsch habe ich mich sehr gefürchtet! Bei meinem Probearbeiten konnte ich eine Kollegin wirklich überhaupt nicht verstehen. Sie fragte mich, ob sie Hochdeutsch reden solle, aber das wollte ich nicht. Sonst lerne ich es ja nie.

Ich erinnere mich noch gut, als ich in die Wohnung gezogen bin. Alex ist schon 1,5 Monate vorher ausgewandert, da er flexibler war und ich noch an meinen Arbeitsvertrag gebunden war. Ich hatte noch eine gute Woche Zeit, bis meine neue Stelle in Luzern anfing und Alex bat mich Müllsäcke zu kaufen. Ich war erst recht verwirrt, dann erklärte er mir, dass es Gebührensäcke gibt, welche man an den Supermarktkassen kauft. Plötzlich bekam ich Schweißausbrüche. Ich soll ganz alleine einkaufen? Was, wenn ich die Kassiererin nicht verstehe?

Ich habe es den ganzen Tag vor mir hergeschoben bis ich mich dann endlich aufgerafft hatte. Die nächste Überraschung: Supermärkte haben meistens Montag bis Freitag bis 19:00 Uhr und samstags bis 17 Uhr offen. Alles klar, noch einmal Glück gehabt. Aus Deutschland kannte ich es ja immer bis 20:00 Uhr.
Also fragte ich schnell die Kassiererin nach Gebührensäcken, sie wollte die Größe wissen und ich konnte bezahlen. Puh, ging doch ganz gut! Lächerlich, oder? Am Anfang habe ich mir aber wirklich schwergetan, durch meinen täglichen Kundenkontakt habe ich aber so viele verschiedene Dialekte gehört, dass ich sehr schnell gut verstand.

Meine beste Freundin war vor kurzem zu Besuch und wir waren shoppen. Ein Verkäufer fragte sie, ob er ihr helfen könne. Sie sah ihn ganz verwirrt an und entgegnete ganz trocken „Ich hab kein Wort verstanden“. Ich musste sie auslachen, dachte aber auch daran, dass ich vor einem Jahr am liebsten im Erdboden versunken wäre, weil ich nichts verstand.

DIE SICHERHEIT IN DER SCHWEIZ

Die Schweiz ist ein sehr sicheres Land zum Leben und bereisen. Auf dem Global Peace Index von 2017 liegt es auf Platz 9. Deutschland liegt übrigens auf Platz 16. Prinzipiell würde ich nicht sagen, dass ich mich in Deutschland unsicher gefühlt habe, aber sicherer fühle ich mich dennoch in der Schweiz. Das macht sich vor allem beim Autofahren bemerkbar. In Deutschland bin ich immer recht gestresst beim Fahren, da viel gedrängelt wird und sehr knapp überholt. Ich würde jetzt nicht sagen, dass ich im Schneckentempo unterwegs bin, aber ich fahre auch seltener mehr als 10 km/h zu schnell. In der Schweiz geht das viel gemütlicher zu. Ich fühle mich auch beim Autofahren sehr sicher und muss nicht Angst haben, gleich einen Unfall zu bauen, nur weil es jemand mal wieder zu eilig hat.

Ansonsten gibt es natürlich auch in der Schweiz öfter Nachrichten über Verbrechen, allerdings kommt mir hier die Menge auch deutlich weniger vor als noch in Deutschland. Ist ja aber auch ein deutlich kleineres Land.

AUSLÄNDERFEINDLICHKEIT IN DER SCHWEIZ?

Ich bin ein Ausländer in der Schweiz. Und ich müsste jetzt lügen, wenn ich sage, ich habe noch nie eine ausländerfeindliche Aussage an den Kopf geworfen bekommen. Viele Schweizer sind sehr stolz auf ihr Land, das darf man natürlich nicht mit Rassismus verwechseln. Es gibt auch einen so genannten „Kantönligeist“. Hierbei sind die Personen sehr auf ihren eigenen Kanton fixiert und der Begriff ist nicht unbedingt positiv behaftet. Ich habe mich mal mit einem sehr jungen Mädchen aus dem Kanton Aargau unterhalten und ihre Worte waren: „Also wir hassen euch deutsche ja schon ziemlich. Aber auch alle anderen Ausländer. Eigentlich hassen wir alle, die nicht aus unserem Kanton sind“. Eher scherzhaft gedacht (mit vielleicht ein kleeein bisschen Wahrheit) hört man öfter solche Sätze. Ihre Mutter ist wohlgemerkt auch aus Deutschland.

 Es gab eigentlich nur eine Situation, bei der ich mich wirklich diskriminiert und schlecht behandelt gefühlt habe von einem Schweizer und das war, als er sich lauthals im Laden beschwerte, er würde sich doch nicht von einer deutschen Frau bedienen lassen. Ich sollte zurück, wo ich hergekommen bin, denn Ausländer sind in der Schweiz nicht erwünscht.
Ich war ziemlich fassungslos. Er wurde dann von einem Kollegen freundlich aus dem Laden begleitet.

 Abgesehen von diesem Vorfall und ein paar scherzhaften Bemerkungen, fühle ich mich in der Schweiz und bei den Schweizern sehr wohl. Sie sind immer freundlich und zuvorkommen. Was sie sich denken, weiß ich natürlich nicht, aber wenn es negativ ist, spiegelt es sich zumindest nicht in ihrem Verhalten wider.

GUTES ESSEN – REGIONAL LEICHT GEMACHT!
Egal was wir kochen: Es schmeckt einfach besser als in Deutschland. Gleiche Zutaten, gleiche Zubereitung… nein nicht ganz die gleichen Zutaten, denn: in der Schweiz ist es viel leichter an regionales Essen zu kommen. Ich meine klar, auch in Deutschland kann man zum Bauern fahren und dort einkaufen, aber in der Schweiz geht es noch einmal einen ticken leichter. Im Supermarkt ist klar gekennzeichnet, was aus der Schweiz ist und was nicht. Bei manchen Produkten steht sogar, wer genau aus welchem Kanton das Produkt hergestellt hat. Man kommt also viel leichter an hochwertige Nahrungsmittel. Natürlich hat das seinen Preis, aber das ist es uns Wert.
DAS LIEBE ICH AN DER SCHWEIZ:
• Die unfassbar gute Schokolade
• Die Naherholungsgebiete. Es gibt unzählige Wasserfälle, Seen, Gletscher, Wanderungen mit Ausblicke auf das Alpenland, und, und, und…
• Nach spätestens 16 km trifft man auf einen See. Wasser hat mittlerweile eine beruhigende Wirkung auf mich, am liebsten würde ich ja mal am Meer leben.
• Das Matterhorn
• Die Zentrale Lage (nicht weit nach Italien, Frankereich, Österreich oder Deutschland)
• Es gibt viel regionales Essen im Supermarkt von guter Qualität
• Auch wenn die Schweiz teuer zum Leben ist – unterm Strich bleibt mehr übrig als in Deutschland. Somit kann ich mehr reisen!
• Die Pünktlichkeit der öffentlichen Verkehrsmittel. Bei 2 Minuten Verspätung schauen die Schweizer schon ganz nervös auf ihre Uhren.
• Mit Schweizern ist man eher „per Du“ als in Deutschland, auch mit dem Chef.
• Die Post in der Schweiz ist viel schneller als in Deutschland und ich kenne niemanden, bei dem schonmal etwas „verloren“ gegangen ist.
• Schöne Autos im Sommer. Ich bin zwar kein Auto Liebhaber, aber da schaut man als Laie schon auch hinterher. Teure Sportwagen oder schicke Oldtimer, alles dabei, wenn man im Sommer durch die Straßen fährt.

Für Alex sind vor allem die kurvigen Straßen fürs Motorradfahren und die Möglichkeit für den Wintersport ein wichtiger Punkt.

DAS GEFÄLLT MIR NICHT IN DER SCHWEIZ:

Da fallen mir tatsächlich nur zwei Sachen ein. Zum einen den lächerlichen freien Tag, den ein Mann bekommt, wenn er Vater wird. EINEN Tag. Wirklich, Schweiz? Wir haben zwar erst einmal nicht vor Kinder in die Welt zu setzen, aber ich finde das trotzdem schlimm.
Nachtrag: Seit dem 01.01.2021 gibt es auch für Väter zwei Wochen Vaterschaftsurlaub in den ersten 6 Monaten nach der Geburt.

Die zweite Sache ist die Verschlossenheit der Schweizer. Es ist einfach unfassbar schwer eine tiefe, ehrlich Freundschaft aufzubauen. Bis jetzt habe ich nur lockere Freundschaften oder Bekannte. In Deutschland könnte ich nach einem Jahr bereits von einer Freundschaft sprechen, aber hier braucht es einfach seine Zeit.

DAS VERMISSE ICH AUS DEUTSCHLAND:

Ja, ja. Geh doch zurück nach Deutschland. Nein, so schlimm ist es nicht. Aber ab und zu bekommt man schon Heimweh. Das schlimmste ist natürlich, dass man Familie und Freunde vermisst. Das erste Jahr waren wir praktisch nur an zwei Wochenenden in Deutschland, da es sich von der Arbeit nicht anders einrichten ließ. Da wir beide jetzt aber samstags freihaben, geht das zum Glück öfter. Dennoch gibt es Sachen, die ich gelegentlich mal vermisse.

 
• Familie & Freunde relativ spontan und ohne großen Aufwand besuchen
• Nürnberg. Einfach weil ich weiß, wo ich was finde und ich der Atmosphäre der Stadt für immer erlegen bin
• die „Lockerheit“ der deutschen. Man freundet sich einfach viel schneller miteinander an
• Kloß mit Soß`
• Käsestangen (mal ehrlich, ich hab im Land des Käses noch keine einzige gefunden? Was ist denn da los?)
• Drogeriemärkte wie DM
• ein Multiplexkino wie das Cinecitta in Nürnberg

FAZIT?

Das positive überwiegt natürlich dem negativen. Jedes Mal, wenn wir unsere Sachen für einen schönen Ausflug packen, dann weiß ich: Alles richtig gemacht!
Meine Freundin meinte mal, wir leben den amerikanischen Traum in der Schweiz. Ganz so krass ist es natürlich nicht, aber ein bisschen recht hat sie schon. Wir haben gut Bezahlte Jobs die uns Spaß machen und wohnen dort, wo andere Urlaub machen. Es ist nicht weit zum Ski fahren oder zum schwimmen an den See. Außerdem können wir am Wasserfall picknicken oder eine Wandertour durch die Berge machen. Manches davon geht sogar unter der Woche nach der Arbeit. Es ist wirklich ein Traum hier zu leben und arbeiten zu dürfen.
Die größte Umstellung war übrigens die Sprache und die hohen Preise. Mann kann sich das zwar leisten, aber wenn man im Kopf noch deutsche Preise hat, dann dauert das bis man sich umstellt.
Außerdem ist die Schweizer Mentalität auch eine andere. Wir Deutschen sind oft zu direkt, laut und reden zu schnell. Da muss man sich auch etwas zurücknehmen.
Es wird sicher einmal die Zeit kommen, bei der wir der Schweiz, zumindest temporär, den Rücken kehren werden. Aber wann das sein wird, wird sich zeigen. Momentan genießen wir es wirklich hier zu sein und nutzen jede Möglichkeit aus, die Schweiz besser kennenzulernen.

Schweiz – die ersten 3 Monate

Schweiz – die ersten 3 Monate

„Wie gefällt’s euch jetzt in der Schweiz?“
„Ihr verdient jetzt bestimmt viel Geld!“
„Mögen die Schweizer die Deutschen wirklich nicht?“
Solche und andere Fragen haben wir in der letzten Zeit von deutschen Freunden, Bekannten oder aus der Familie gehört. Der beste Satz war aber „Na ja, Schweiz, das ist ja nicht mal richtig Ausland, das könnt ihr ja fast nicht Auswandern nennen“. Ach nein? Hier gibt es Unterschiede. Und zwar Große!

Jetzt leben wir hier genau drei Monate, durch unseren Beruf haben wir unmengen Kundenkontakt und da kann man schon viel erfahren. Eigentlich finden wir, dass drei Monate noch keine lange Zeit sind um ein Statement über ein Land zu geben. Wir werden sicher noch einmal einen Blogartikel verfassen, wenn ein Jahr vorbei ist. Aber da wir so oft gefragt werden, schreiben wir jetzt einfach mal darüber.

„WIE GEFÄLLT ES EUCH IN DER SCHWEIZ?“

Der Klassiker. Wie gefällt es euch. Na ja, sehr gut natürlich! Das wäre die kurze Antwort, die wir über Whats App abgeben. Wer es genauer wissen will, fragt dann auch genauer nach.
„Was gefällt euch bis jetzt besonders gut?“. Ah schon besser. Dann legen wir mal los.
An der Schweiz gefällt uns primär natürlich die Landschaft extrem gut. Wir wohnen am Fuße der Alpen und haben von unserer Wohnung einen Ausblick auf einen See und Berge. Klingt traumhaft? Ist es auch. Da wir mehr arbeiten müssen als in Deutschland, ist es wirklich wohltuend in so eine Urlaubslandschaft heimzukehren. Alex ist passionierter Ski- & Snowboard Fahrer und muss maximal 1 Stunde fahren, um in ein großes Ski Gebiet zu kommen. Ein kleines ist auch nach 15 Minuten erreichbar. Außerdem fährt er gerne Motorrad und die kurvenreichen Straßen machen ihm dann natürlich auch mehr Spaß.
Apropos mehr Spaß beim Fahren: Das Autofahren ist hier viel angenehmer als in Deutschland. Hier in der Schweiz wird nur selten gedrängelt, selbst wenn man wegen den Kurven etwas langsamer fährt. Dadurch, dass zu schnelles Fahren wirklich teuer ist, wird sich auch überwiegend an die Geschwindigkeit gehalten. So durfte ein Kollege 5.000,- CHF zahlen, als er es darauf anlegte und auf der Autobahn 60 km/h zu schnell gefahren ist.
Das Klischee, dass die Schweizer sehr höflich sind können wir nur bestätigen. Natürlich können wir nur von der Zentralschweiz sprechen, denn wir denken, die Mentalität in der West- oder Südschweiz ist wieder eine andere. Sie lassen einen immer Ausreden und sind sehr hilfsbereit. In unserem Beruf fällt es uns am meisten auf, es lässt sich mit den Schweizern insgesamt einfacher arbeiten. Wir machen in Ruhe die Beratung, sie hören sich alles an und stellen dann ihre Fragen. In Deutschland war das schon manchmal ein Kampf, die Beratung überhaupt zu Ende führen zu dürfen.

„IHR VERDIENT JETZT BESTIMMT VIEL GELD!“
Ja, natürlich verdienen wir hier viel Geld. Das müssen wir auch, denn die Lebenshaltungskosten sind deutlich höher als in Deutschland. Es ist nicht so, dass man hier in der Schweiz plötzlich zum Millionär wird. Die Miete kostet uns z. B. das vierfache wie in Nürnberg. Dafür ist die Wohnung aber auch doppelt so groß und hat eben diese wundervolle Aussicht.

     
    Fleisch ist hier auch wahnsinnig teuer. Wenn man mal essen gehen möchte, kann man für ein Schnitzel mit Pommes mal locker umgerechnet 40 € bezahlen. Dafür gibt es hier aber überwiegend regionale Produkte. Man kommt natürlich mit dem Geld durch und ich würde lügen, wenn ich sage, uns geht es hier wie in Deutschland. Es geht und hier finanziell schon besser, aber es ist eben nicht der mega Sprung den manche vielleicht denken.

    „MÖGEN DIE SCHWEIZER DIE DEUTSCHEN WIRKLICH NICHT?“

    Puh, schwierige Frage. Also, selbst wenn sie uns nicht mögen würden, sie sind zu höflich um es einem direkt ins Gesicht zu sagen. Wir haben, wie gesagt, schon viel Kundenkontakt gehabt und bis jetzt nur einen (!) der sich hat anmerken lassen, dass er etwas gegen Deutsche hat. Da verlief die Konversation dann so:

    Kunde: „Sind Sie etwa Deutsche!?“
    Claudia: „Ja, genau.“
    Kunde: „Sagen Sie mal, verstehen Sie mich überhaupt?“
    Claudia: „Ja, ich verstehe Schwyzerdütsch, wenn ich etwas jedoch nicht verstehe, dann frage ich einfach nach.
    Kunde: „Aha. Das werden wir ja sehen. Ihr Deutschen immer…“

    Ich war ziemlich irritiert, denn er ist gleich negativ mir gegenüber geworden, nachdem ich ihn begrüßt habe. Sowas gibt es dann halt leider auch, aber es ist zum Glück sehr selten.

    Es ist doch eigentlich ganz einfach, wenn ihr immer freundlich und höflich seid, sind es die Schweizer auch zu euch. Wie du mir, so ich dir. Einfach gut überlegt antworten und nicht drauf losplappern, dann wird schon alles gut. Über die Schweizer Preise motzen ist übrigens ein No Go! Da mussten wir uns im Zug schon einmal gewaltig fremdschämen, weil sich eine Deutsche lauthals am Telefon darüber beschwert hat, dass die Bettwäsche 10 CHF mehr gekostet hat, als wenn sie diese in Deutschland gekauft hätte. Das war wirklich peinlich. 
    Immer daran denken: Man verdient hier auch locker das doppelte als in Deutschland, da darf die Bettwäsche dann auch mal 10 CHF mehr kosten.

    Das ist mal unser Statement zu unseren ersten drei Monaten in der Schweiz. Wir sind gespannt, was noch kommen wird und wie sich unsere Ansichten im Laufe des Jahres vielleicht sogar ändern werden.

    Bis dahin!