Kappadokien Reisetipps – inkl. Heißluftballonfahrt

Kappadokien Reisetipps – inkl. Heißluftballonfahrt

Jeder, der einigen Reiseaccounts auf Instagram folgt, sieht irgendwann Bilder von Kappadokien. Die karge Märchenlandschaft mit seltsamen Felsformationen und den hunderten Heißluftballons in der Luft. Doch sieht es dort wirklich so aus? Wie oft fliegen eigentlich diese Ballons oder ist das nur Photoshop? Und wie kommt man dort am besten hin?
Lest weiter und erfahrt unsere Reistipps zu einem der faszinierendsten Orte, die wir je besucht haben!

Anreise nach Kappadokien

Viele sind schon mit der Anreise ein wenig überfordert. So leicht scheint man dort nicht hinzukommen, denn Kappadokien liegt in der Zentraltürkei. Doch alles halb so wild!
Als erstes solltet ihr euch überlegen, wo ihr euch genau aufhalten möchtet. Das touristische Zentrum ist in Göreme, da hier auch die Heißluftballons starten. Wir haben 5 Nächte in Göreme verbracht und sind überall gut hingekommen. Wir würden also Göreme auch definitiv für einen Aufenthalt empfehlen. Doch wie kommt man dorthin?
Es gibt zwei Flughäfen, welche ihr ansteuern könnt. 
1. Kayseri – dies ist der etwas größere Flughafen und eine Autofahrstunde von Göreme entfernt. 
Es gibt sehr viele Flüge über Istanbul nach Kayseri. Es scheint wohl auch rare Direktflüge von München nach Kayseri zu geben, so einen haben wir selbst allerdings noch nicht entdecken können.
2. Nevşehir – dies ist ein kleinerer Flughafen von dem ihr nur noch eine halbe Stunde nach Göreme benötigt.
Flüge dorthin sind etwas seltener. Ihr solltet einfach mal beide Flughäfen vergleichen und dann buchen. 

Wenn ihr in einem gehobeneren Hotel untergebracht seid, dann bietet dieser, in der Regel, auch einen Shuttle-Abholservice an. Wir würden euch aber dringend einen Mietwagen empfehlen. Das fahren in der Gegend um Kappadokien ist unkompliziert und es gibt ausserhalb von Göreme auch einiges zu entdecken.

Übernachten in Kappadokien

Die Landschaft von Kappadokien ist für seine besonderen Felsformationen und Höhlen bekannt. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass es eine große Anzahl an Höhlenhotels gibt. Das klingt schlimmer als es ist!
Es gibt so einige luxuriöse Unterkünfte und es ist schon ein kleines Highlight in so einem Hotel zu nächtigen.
Wir selbst haben in den „Sultan Cave Suites“ übernachtet. Da es mein 30. Geburtstag war, wollte ich mir etwas gönnen. Das Hotel ist vor allem durch Instagram sehr berühmt geworden, da es eine phantastische, mit Teppichen ausgelegte, Terasse besitzt. Auf dieser befindet sich auch ein Tisch, der extra jeden Morgen frisch gedeckt wird, um ihn für das perfekte Instagram Foto zu nutzen. Aber zurück zu den Unterkünften. 

Denn keine Sorge, man muss nicht immer 100 € pro Nacht und aufwärts für eine Unterkunft zahlen, denn Kappadokien kann auch für den kleinen Geldbeutel machbar sein. Unsere Bloggerkollegin Bettina zum Beispiel hat für sage und schreibe 4,50 € pro Nacht in einer Unterkunft geschlafen. Sie hatte allerdings nicht vorab gebucht, sondern ist direkt ins „Stay in Peace Cave Hostel“ gegangen und hat mit dem Besitzer gesprochen. Die Pandemie hat ihr wahrscheinlich zusätzlich noch einen Bonus beschert, aber sie ist ein super Beispiel dafür, dass es nicht teuer sein muss.

Heißluftballonfahrt in Kappadokien

Was die meisten Menschen interessiert – fliegen dort wirklich so viele Heißluftballons? Hier gibt es ein ganz klares – Ja! Das ist wirklich so.
Und tatsächlich nicht nur zu einem Event, wie viele annehmen, sondern ungefähr 300 Tage im Jahr. Immer dann, wenn es das Wetter zulässt. Wir selbst waren im November in Kappadokien und hatten schon ein wenig sorge, ob wir zu spät dran sind. Die Sorge war allerdings unbegründet! Jeden Morgen konnten wir den Ballons zusehen und an einen Tag auch selber mitfahren. Ihr solltet wissen, dass die Ballons in der Regel zum Sonnenaufgang starten, im Sommer also wirklich sehr früh. Wir hatten da noch Glück, dass es bei uns erst um 06:30 Uhr losging.
Die Fahrt haben wir über GetYourGuide gebucht im Zusammenhang mit einer Tagestour. Es gab einen Corona-Rabatt und wir haben effektiv nur 126 € pro Person bezahlt – für eine einstündige Ballonfahrt im 16-Personen-Korb, eine Tagestour inkl. Eintrittsgeldern und Mittagessen. Das war definitiv nicht teuer.
Wir haben folgende Tour gebucht: Kappadokien: Heißluftballonfahrt und Tagestour* 

Wer die Heißluftballons nur anschauen möchte, kann dies an folgenden Orten gut machen:
1. Im Love Valley – unser absoluter Favorit! Wir haben hier die Ballons starten und landen sehen und das Tal ist groß genug, um auch mal etwas für sich zu sein bzw. um in Ruhe Fotos zu schießen. 
2. Von der Terasse eures Hotels oder eines Nachbarhotels (am Tag vorher einfach Fragen, ob man auch als Nicht-Gast die Terasse benutzen darf).
3. Vom Göreme Sunset Point – der Name lässt zwar vermuten, dass es eher zum Sonnenuntergang lohnt dorthin zu fahren, allerdings ist es auch zum Sonnenaufgang traumhaft schön!

São Vicente
Göreme Freilichtmuseum

Das Freilichtmuseum in Göreme solltet ihr nicht verpassen! Wir haben das im Zuge unserer Tagestour besucht und es war wirklich sehr wertvoll, dass wir von einer gut ausgebildeten Tourguide begleitet wurden. Vor Ort gibt es nämlich kaum Hinweisschilder und in den Höhlen selbst weiß man dann oft nicht, welcher Raum für was genutzt wurde. So wurden wir aber rundum gut informiert und konnten unsere Fragen stellen.
Es gab auch Informationen zum Geschichtlich-Religiösen Teil Kappadokiens, welcher wirklich sehr interessant ist! Es wird erklärt, wie es dazu kommt, dass es über 800 christliche Kirchen gibt und was aus den Christen wurde. Leider sprengt das den Rahmen des Beitrags, weshalb wir hier nicht darauf eingehen.
Wenn ihr das Freilichtmuseum auf eigene Faust erkunden möchtet kostet das ohne Tourguide 100 TL pro Person.

Die Valleys von Kappadokien

Kappadokien hat so einige Täler, welche erkundet werden können. Entweder ihr lauft zu Fuß oder macht eine Reittour mit einem Pferd. Kappadokien ist übrigens persisch für „Land der schönen (oder wilden) Pferde“. Hier gab es früher wilde und sehr schnelle Pferde, welche aber gut domestizert werden konnten. Dadurch konnte die Gegend sehr schnell bereist werden.
Bis heute hat sich die Tradition der Reittiere gehalten und Touristen können in der kargen Landschaft reiten.
Wir selbst sind lieber zu Fuß unterwegs gewesen. Mit dem Auto kommt man problemlos zu den Tälern und kann dort parken. Meistens zahlt man eine Art Mautgebühr, welche aber nie mehr als 10-20 TL gekostet hat.
Die schönsten Täler sind unserer Meinung nach:
Rose Valley: Hier könnt ihr eigentlich immer Heißluftballons starten und/oder landen sehen. Ist also vor allem zum Sonnenaufgang einfach nur wunderschön! Aber auch ohne die Ballons macht es Spaß zwischen den Felsen zu wandern.
Love Valley: Das Valley wurde durch seine speziellen Felsformationen bekannt, das an das männliche Geschlechtsteil erinnern. Ziemlich faszinierend, wie solche turmartigen Felsen natürlich entstehen können!
Pigeon Valley: Es gibt viele Felsen, welche spezielle „Taubenhöhlen“ haben. Viele Familien haben damals Tauben gehalten und den Kot als Düngermittel genutzt oder auch verkauft. Von diesen kleinen Höhlen kann man hier viele finden.
Red Valley: Die Felsen im Red Valley haben noch einmal eine deutlich rötere Verfärbung als die anderen Felsen. Es sieht wirklich wunderschön aus und vor allem zu Sonnenuntergang strahlt das ganze Talwirklich sehr rot!

Die Landschaft Kappadokiens entstand übrigens durch mehrere Vulkanerruptionen zweier Vulkane vor ca. 50 Millionen Jahren. Die Gegend wurde mehrmals mit einer dicken Lavaschicht bedeckt. 
Die Masse hat sich im Laufe der Jahre zu einem weichen Gestein gewandelt und so haben Wind und Wasser diese abstrakte Landschaft geformt.
Irgendwann haben Menschen dann angefangen Höhlen zu graben und sich dort angesiedelt. 

Die unterirdische Stadt Derinkuyu

Eine Geschichte, wie sie aus einem Film stammen könnte: 1963 wollte ein Mann sein Haus renovieren, bis er plötzlich eine Wand einriss und ein wahnsinnig großes Höhlensystem vorfand.
Über 60 Meter geht es hier in 8 Stockwerken hinab. In die Untergrundstadt Derinkuyu, die mit engen Gängen und Treppen miteinander verbunden sind. Über 40 solcher Untergrundstädte gibt es in Kappadokien, doch diese ist die bekannteste. Einst sollen hier bis zu 20.000 Menschen gelebt haben! Sehr faszinierend wie über die 8 Stockwerke Belüftungssysteme gebaut wurden und generell die Räumlichkeiten strukturiert wurden.
Auch hier hatten wir einen Guide, den wir direkt am Eingang angeheuert haben. 100 TL für uns 7 Leute war kein schlechter Preis. Auch hier hat sich der Guide wieder sehr gelohnt und wir würden euch dringend einen empfehlen! Sonst hätten wir nicht gewusst, dass ein spezieller Tunnel mehrere Kilometer in die benachbarte Untergrundstadt führt, wo die Gräber sind oder welche Höhlen für das Belüftungssystem verantwortlich waren.
Denn auch hier gibt es keinerlei Beschilderungen. Wenn ihr also ein bisschen Kleingeld übrig habt, gönnt euch unbedingt einen Tourguide!
Der Eintritt für die Untergrundstadt beträgt 60 TL pro Person.

Photoshooting im Teppichgeschäft

Viele Menschen kommen nach Kappadokien um tolle Bilder zu machen. Da haben sich die ein oder anderen Händler und Fotografen natürlich auf diese Dienstleistung spezialisiert.
Allen voran findet man phantastische Bilder der Galerie Ikman – nur leider kosten hier 30 Minuten „Raummiete“ ganze 70 €! Wer nur Smartphone Bilder macht kommt etwas günstiger weg.
Wir wollten gerne ein paar Bilder mit schönen Lampen machen und haben alternativ dem Geschäft „Sultan Carpets“ einen Besuch abgestattet. Eine halbe Stunde kostet hier nur 20 € – das ist ein Preis der für uns noch vertretbar war. Wir haben hier ein paar Bilder fotografiert und können die Location empfehlen. Sie ist sicher nicht so groß und spektakulär wie ersterer, aber eben deutlich günstiger.

Weitere Kappadokien Highlights

Es gibt noch einige sehr Sehenswerte Orte, welche ihr auf eure Kappadokien Liste setzen könnt. Dazu gehören die folgenden:

  • Die Festung Uçhisar (20 TL Eintritt)
  • Zelve (25 TL Eintritt)
  • Al Nazar Kirche (12,50 TL)
  • Das Töpferdorf Avanos (haben wir im Zuge der Tagestour besucht und eine kleine Vorstellung und Führung einer Töpferfamilie bekommen)
Abstecher zum Salzsee Tuz Gölü

Etwa zwei Autofahrstunden von Göreme entfernt liegt der zweitgrößte See der Türkei: Der Tuz Gölü. Wer gerne Auto fährt und nichts gegen einen etwas längeren Tagesausflug hat, sollte sich den See unbedingt merken.
Mit 32,9 % Salzanteil ist er sogar einer der salzhaltigsten Seen der Welt! Ihr solltet jedoch beachten, dass der See in den Sommermonaten größtenteils verdunstet und nur das weiße Salz hinterlässt. Die meisten Besucher kommen eigentlich hier her um die pinke Farbe des Sees zu bestaunen, da bei uns das Wasser aber nicht zu sehen war, haben wir uns mit der schneeweißen Salz Kulisse zufrieden gegeben.
Zum Sonnenuntergang ist es hier besonders schön, weshalb man gegen Mittag losfahren sollte. 
2021 ist leider die Flamingopopulation des Sees ausgestorben, da sie nicht mehr genug Nährstoffe auffinden konnten, um zu überleben. Die Flamingos waren auch ein richtiger Touristenmagnet, aber diese könnt ihr nun nicht mehr anschauen.
Übrigens findet ihr inmitten des Sees einen Stuhl der einfach nur dort steht. Eignet sich sehr gut als Fotomotiv!

Beste Reisezeit und Dauer der Reise

Die Hauptsaison in Kappadokien geht von April bis Oktober. Es herrscht Steppenklima, das heißt, dass es tagsüber stechend heiß wird, es sich dann aber zur Nacht hin sehr abkühlt. Wir waren im Anfang November in Kappadokien und hatten tagsüber um die 20-25 °C, welche sich teilweise wie über 30°C angefühlt haben. Nachts fiel es dann schon gerne unter den Nullpunkt. Die Winter sind extrem kalt mit bis zu -20 °C.
Den November können wir nicht uneingeschränkt als sehr guten Reisemonat empfehlen. Für uns war es zwar perfekt – wir hatten täglich wolkenlosen Himmel und einfach traumhaftes Wetter, allerdings scheint das im November nicht so üblich zu sein. Vielleicht wird es aber auch erst Mitte November schlechter. Jedenfalls konnten wir uns nicht über zu viele Touristen beklagen.

Wir selbst waren 5 Nächte Göreme. Wir haben das als perfekte Reisedauer empfunden und würden sogar noch eher länger bleiben. Viele kommen nur 2 Nächte, allen voran zum Ballonfahren. Wenn ihr allerdings unsere ganzen Reisetipps befolgen möchtet, solltet ihr mindestens 4 Nächte dort bleiben, denn Kappadokien ist so viel mehr als nur die Heißluftballons für das perfekte Instagram Bild!